Ideenaustausch statt Krisenmodus

13.08.2026

Tragfähige Finanzierungsmodelle diskutierten InstitutsvertreterInnen und Studierende bei einer Online-Konferenz des Deutschen Psychotherapeuten-Netzwerks.

Gemeinsam Lösungswege aus der Weiterbildungs-Krise zu finden, war das Ziel einer Online-Konferenz des Deutschen Psychotherapeuten-Netzwerks (DPNW). Erstmals tauschten sich Studierende und InstitutsvertreterInnen zur Zukunft der fachlichen Spezialisierung aus. Kernpunkt der Diskussion: die ungesicherte Finanzierung.

Konkrete Modellrechnung

Das Ausmaß veranschaulichte Fuad Salim als Geschäftsführer des Rhein-Eifel-Instituts anhand einer Modellrechnung. „Wenn wir sechs junge KollegInnen nach den Vorgaben der aktuellen Weiterbildungsordnung zu einem angemessenen Gehalt anstellen, entstehen monatliche Betriebskosten von 65.075 Euro. Über die ambulante Tätigkeit im Umfang von 20 Stunden pro Woche, lassen sich Einnahmen von 59.258 Euro generieren. Daraus ergibt sich ein monatliches Defizit von 5.817 Euro.“

Auf dieser Grundlage sei die Weiterbildung für Institute und Praxen wirtschaftlich kaum abbildbar. Eine lediglich kostendeckende Bilanz ließe sich nur über Erhöhung der Behandlungskapazitäten auf 30 Wochenstunden oder Gehälter an der Grenze zur Sittenwidrigkeit erzielen. „Beides lehnen wir ab. Für Kliniken und Universitäten mit Tarifbindung ist die Gehaltsabsenkung ausgeschlossen. Sie werden sich möglicherweise ganz aus der fachlichen Qualifizierung zurückziehen“, betonte Fuat Salim.

Alternative Gehaltsstruktur

Als Ausgangspunkt für eine Diskussion um Gestaltungsspielräume und Handlungsoptionen stellte der Instituts-Geschäftsführer ein 80/20-Modell vor. Der Grundgedanke: PsychotherapeutInnen in Weiterbildung (PiW) erhalten für ihre praktische Tätigkeit an vier Wochentagen ein Gehalt nach TVÖD 13. Theorie, Supervision und Selbsterfahrung entfallen auf den nicht vergüteten fünften Tag. Die Kosten für das Bildungsangebot übernimmt der Träger.

„Denkbar ist auch ein 100-Prozent-Stellenmodell mit einer Behandlungstätigkeit an fünf Tagen bei vollem Tarifgehalt für 38,5 Wochenstunden – inklusive Supervision. Theorie und Selbsterfahrung im Umfang von etwa 2,5 Stunden pro Woche fänden dann außerhalb der Arbeitszeit oder am Wochenende statt“, erläuterte Fuad Salim. In der Modellrechnung für sein Institut ergebe sich daraus anstelle des monatlichen Defizits von 5817 Euro eine positive Betriebsbilanz von 1348 Euro.

Zentrale Weichenumstellung

Voraussetzung für die Umsetzung eines solches Modells ist allerdings eine entsprechende Änderung der Weiterbildungsordnung durch die Psychotherapeutenkammer. Um an dieser Stelle etwas in Bewegung zu bringen, appellierte Fuad Salim an die Studierenden, sich – sofern möglich – als freiwilliges Mitglied auf Landesebene zu engagieren und sich genau dafür einzusetzen. „Wir sehen darin die Chance zu einer wirtschaftlich tragfähigen Gestaltung der Weiterbildung.“

Ein solides Finanzierungskonzept sei die Voraussetzung, um ein entsprechendes Angebot schaffen zu können, ergänzte Susan Wild, Geschäftsführerin der APP KÖLN. „Bei allen Diskussionen über die Vergütung sollte eines im Mittelpunkt stehen: Es geht nicht um eine möglichst hohe finanzielle Entlastung oder Gewinnmaximierung der Institute, sondern um die langfristige Sicherung qualitativ hochwertiger und finanziell nachhaltiger Strukturen – und damit um die Zukunft der Studierenden.“

Praktikable Lösung

Auf die Frage nach weiteren Optionen politischer Einflussnahme bezog Dieter Adler als Gründer des DPNW klar Position. „Politisch ist die Situation festgefahren. Von dieser Seite sind keine Änderungen zur finanziellen Ausgestaltung zu erwarten.“ Selbst unter anderen Vorzeichen zögen sich solche Prozesse über Jahre und kämen für die meisten Studierenden zu spät. „Bereits jetzt suchen 8000 junge Menschen Platz für ihre fachspezifische Qualifikation. Jedes Jahr kommen mindestens 2500 weitere hinzu. Wir brauchen schnell eine praktikable Lösung, um ihnen eine Perspektive zu bieten.“

Einig waren sich alle Konferenzteilnehmenden darin, sich weiter für eine konstruktive Lösung einsetzen zu wollen. Das DPNW kündigte einen Folgetermin nach den Sommerferien an.