Informationen zur Ausbildungsreform

An dieser Stelle möchten wir Ihnen unseren aktuellen Newsletter mit wesentlichen Aspekten des Psychotherapieausbildungsreformgesetz zur Verfügung stellen. Alle früheren Ausgaben des Newsletters zu diesem Thema finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

 

Newsletter 6 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

In §7 enthält das Psychotherapieausbildungsreformgesetz eine der wenigen Regelungen, die vorbehaltlos begrüßt werden können. Die Palette der Möglichkeiten, als PsychotherapeutIn tätig zu werden, wird sich nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle erheblich erweitern um präventive und rehabilitative Maßnahmen:

Psychotherapeutische Versorgung im Sinne des Absatzes 1 umfasst insbesondere die individuellen und patientenbezogenen psychotherapeutischen, präventiven und rehabilitativen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die der Feststellung, Erhaltung, Förderung oder Wiedererlangung der psychischen und physischen Gesundheit von Patientinnen und Patienten aller Altersstufen dienen. Sie findet im Einzel- und Gruppensetting sowie mit anderen zu beteiligenden Personen statt und bezieht Risiken und Ressourcen, die konkrete Lebenssituation, den sozialen, kulturellen oder religiösen Hintergrund, die sexuelle Orientierung, die jeweilige Lebensphase der Patientinnen und Patienten sowie Kompetenzen zum Erkennen von Anzeichen für sexuelle Gewalt und deren Folgen mit ein. Dabei werden die institutionellen, rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen berücksichtigt, die Selbständigkeit der Patientinnen und Patienten unterstützt sowie deren Recht auf Selbstbestimmung geachtet.

Das Studium der Psychotherapie, das mit einem Masterabschluss und Staatsexamen endet, aber ohne Fachkunde in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren (AP, TP, ST oder VT), soll u.A. befähigen

Störungen von Krankheitswert, bei denen psychotherapeutische Versorgung indiziert ist, zu behandeln.
Es wird allerdings nicht ersichtlich, wie psychotherapeutisch behandelt werden kann, ohne über die erforderliche Fachkunde, die ja erst in der Weiterbildung erworben wird, zu verfügen. Zu befürchten ist, dass in Zukunft approbierte PsychotherapeutInnen ohne Fachkunde zu Dumpinghonoraren von Krankenhäusern eingestellt werden oder/und von den Krankenkassen zu prekären Bedingungen „eingekauft“ werden zur Erbringung von präventiven, rehabilitativen und auch psychotherapeutischen Leistungen.

Dazu der Gesetzestext:

Das Studium befähigt insbesondere dazu,

  1. Störungen mit Krankheitswert, bei denen psychotherapeutische Versorgung indiziert ist, festzustellen und entweder zu behandeln oder notwendige weitere Behandlungsmaßnahmen durch Dritte zu veranlassen,
  2. das eigene psychotherapeutische Handeln im Hinblick auf die Entwicklung von Fähigkeiten zur

Selbstregulation zu reflektieren und Therapieprozesse unter Berücksichtigung der dabei gewonnenen

Erkenntnisse sowie des aktuellen Forschungsstandes weiterzuentwickeln,

  1. Maßnahmen zur Prüfung, Sicherung und weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität umzusetzen und dabei eigene oder von anderen angewandte Maßnahmen der psychotherapeutischen Versorgung zu dokumentieren und zu evaluieren,
  2. Patientinnen und Patienten, andere beteiligte oder andere noch zu beteiligende Personen, Institutionen oder Behörden über behandlungsrelevante Erkenntnisse zu unterrichten, und dabei indizierte psychotherapeutische und unterstützende Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen sowie über die aus einer Behandlung resultierenden Folgen aufzuklären,

~wird fortgesetzt~

 

 

Zum Weiterlesen finden Sie hier alle bisherigen Newsletter zu diesem Thema:

Newsletter 1 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

In lockerer Folge werden wir Ihnen in der nächsten Zeit einige wesentliche Aspekte des kürzlich vom Bundestag verabschiedeten „Psychotherapieausbildungsreformgesetz“ (PsychThGAusbRefG) vorstellen.

Im Ausbildungsreformgesetz sind über die Ausbildungsreform hinaus auch einige weitere Aspekte der psychotherapeutischen Tätigkeit neu geregelt worden, die keinen unmittelbaren Bezug zur Ausbildung bzw. zum Studium der Psychotherapie haben und nicht nur für Ausbildungsteilnehmer bzw. Studierende der Psychotherapie bedeutsam sind, sondern auch für approbierte Psychotherapeuten und für Ärztliche Psychotherapeuten.

So wird mit dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. September 2020 das Gutachterverfahren für Gruppenpsychotherapie abgeschafft. Das Gutachterverfahren für Psychotherapie im Einzelformat soll aufgehoben werden, sobald ein anderes Verfahren zur Qualitätssicherung eingeführt worden sein wird. Der Prozess zur Entwicklung einer alternativen Qualitätssicherung wird allerdings einige Jahre dauern.

„Der Gemeinsame Bundesausschuss beschließt bis spätestens zum 31. Dezember 2020 in einer Ergänzung der Richtlinien nach Satz 1 Regelungen zur weiteren Förderung der Gruppentherapie und der weiteren Vereinfachung des Gutachterverfahrens; für Gruppentherapien findet ab dem … [Datum des Tages nach der Verkündung] kein Gutachterverfahren mehr statt. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sämtliche Regelungen zum Antrags- und Gutachterverfahren aufzuheben, sobald er ein Verfahren zur Qualitätssicherung nach § 136a Absatz 2a eingeführt hat.“

Dieser Passus wurde erst 2 Tage vor der Verabschiedung des Gesetzes eingefügt. Die damit verbundenen grundlegenden Veränderungen der Rahmenbedingungen der ambulanten Psychotherapie wurde weder diskutiert noch mit Experten abgestimmt. Das kann als Aushebelung von demokratischen Prozessen gewertet werden.

Diese Neuregelung, so sehr sie manchem Psychotherapeuten wegen der damit verbundenen Arbeitserleichterung gefallen möge, kann damit verbunden werden, auch für die Psychotherapie nachträgliche Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzuführen. Das heißt, dass Honorare für durchgeführte psychotherapeutische Behandlungen im Nachhinein gekürzt werden könnten. Bisher hat das Gutachterverfahren als Vorab-Wirtschaftlichkeitsprüfung die Psychotherapie vor Kürzungen geschützt.

Ein festgelegtes Honorar wurde von der Psychotherapeutenschaft in zahlreichen Prozessen vor dem Bundessozialgericht entschieden. Die in das Reformgesetz eingeschobene Neuregelung kann dazu führen, dass die Basis für ein festgelegtes Honorar wegfällt.

 

Newsletter 2 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

Die prekäre Situation der PsychotherapeutInnen in Ausbildung entscheidend zu verbessern, das war einer der Hauptgründe, die Reform der Psychotherapie-Ausbildung in die Richtung der sog. Direktausbildung (Psychotherapie-Studium + Weiterbildung) zu lenken, obwohl es innerhalb der Profession aus verschiedensten Gründen großen Widerstand gegen die Direktausbildung gab. Es wurde argumentiert, dass nur bei einer frühzeitigen Erteilung der Approbation nach einem Psychotherapiestudium der Status der dann approbierten PsychotherapeutInnen dazu führen würde, dass in der sich anschließenden stationären und ambulanten Weiterbildung eine Anstellung mit tariflichem Gehalt folgen müsse. Diese Konsequenz wurde von den meisten Kammern und von vielen Psychotherapie-Fachverbänden und Berufsverbänden als selbstverständlich und „alternativlos“ dargestellt.

Einige wenige haben von Anfang an gewarnt, dass eine solche Neuausrichtung der Ausbildung nicht selbstverständlich zu einer finanziellen Besserstellung der PsychotherapeutInnen in Ausbildung bzw. dann in Weiterbildung führen werde, daß mehrere Gründe sogar eher dagegen sprächen.

Während der Entstehung des Gesetzes zeichnete sich seit Jahren ab, daß das Gesundheitsministerium keinerlei Anstalten macht, eine Regelung für die ausreichende Finanzierung der Weiterbildung zu treffen. Als schließlich der Bundesrat die Forderung nach ausreichender Finanzierung der Weiterbildung vortrug, antwortete das Gesundheitsministerium in seiner „Gegenäußerung der Bundesregierung zu der Stellungnahme des Bundesrates“ vom 30.4.19:

„Die Bundesregierung nimmt die Empfehlung des Bundesrates zur Kenntnis.

Sie ist der Auffassung, dass Mittel der GKV für die Versorgung der Versicherten eingesetzt werden sollten. Sie hält daher eine Mitfinanzierung von Weiterbildungsbestandteilen, die nicht unmittelbar den Versicherten zugute kommen, nicht für angemessen. Vielmehr hält sie einen Eigenanteil der jeweiligen Weiterbildungsteilnehmerinnen und Weiterbildungsteilnehmer für zumutbar, wie dies auch Weiterbildungen in anderen beruflichen Bereichen zeigen.“

An dieser Haltung hat sich offensichtlich seither nichts geändert, und wird sich voraussichtlich auch bei der noch ausstehenden endgültigen Zustimmung des Bundesrates nicht mehr ändern.

Aktuelle Informationen zum Gesetz s. unter folgenden Links:

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw39-de-psychotherapeutenausbildung-657394

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/135/1913585.pdf

Das Gesetz legt nun fest, daß ab September 2020 die Ambulanzen mindestens 40 % der Behandlungshonorare an die Aus- und Weiterbildungs-Teilnehmer weiterleiten müssen. Wie bisher auch wird keine zusätzliche Finanzierung zur Verfügung gestellt:

Für die Vergütung der in den Ambulanzen … erbrachten Leistungen gilt § 120 …. entsprechend mit der Maßgabe, dass

  1. dabei eine Abstimmung mit Entgelten für vergleichbare Leistungen erfolgen soll und
  2. ein Anteil an der Vergütung zu vereinbaren ist, mit dem die von den Ausbildungs- oder Weiterbildungsteilnehmern geleistete Krankenbehandlung angemessen abgegolten wird; der zu vereinbarende Anteil beträgt mindestens 40 Prozent der Vergütung.

Die Ambulanzen sind verpflichtet, den Anteil nach Satz 1 Nummer 2 jeweils an die Ausbildungs- oder Weiterbildungsteilnehmer weiterzuleiten und dies den Krankenkassen nachzuweisen. …“

Die APP Köln gibt bisher 50 % der Behandlungshonorare weiter, und wird das auch weiterhin so handhaben.

Für die Praktische Tätigkeit in Vollzeit ist ab September 2020 eine Vergütung von mindestens 1000 € vorgeschrieben.

„Wer sich nach dem 31. August 2020 in einer Ausbildung zum Beruf der Psychologischen Psychotherapeutin, des Psychologischen Psychotherapeuten, der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung befindet, erhält vom Träger der Einrichtung, in der die praktische Tätigkeit nach § 2 Absatz 2 Satz 2 Nummer 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten oder nach § 2 Absatz 2 Satz 2 Nummer 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten absolviert wird, für die Dauer der praktischen Tätigkeit eine monatliche Vergütung in Höhe von mindestens 1000 Euro, sofern die praktische Tätigkeit in Vollzeitform abgeleistet wird. Wird die praktische Tätigkeit in Teilzeitform abgeleistet, reduziert sich die Vergütung entsprechend.“

1000 €/Monat Vollzeit-Honorar ist von einer angemessenen Vergütung weit entfernt. Und mit 40 % aus den ambulanten Behandlungshonoraren ist weder ein Tarifgehalt zu finanzieren, noch umso weniger wesentliche WB-Bestandteile wie Theorieseminare, Selbsterfahrung und Supervision. Die WeiterbildungsteilnehmerInnen werden weiterhin – genauso wie jetzt im Rahmen der Ausbildung – große Teile der Weiterbildung selbst finanzieren müssen.

Die Befürworter des Gesetzes (Vertreter der Kammern und einiger Berufsverbände) behaupten nach wie vor, die zusätzliche Finanzierung werde man noch nachverhandeln, aber uns erschließt sich nicht, warum der Gesetzgeber das später noch einführen sollte, wenn er es in einem jahrelangen Auseinandersetzungsprozeß nicht getan und zuletzt auch explizit abgelehnt hat. Im Sinne der AusbildungsteilnehmerInnen wären wir sehr froh, wenn es doch noch so käme. Ansonsten werden sowohl die AusbildungsteilnehmerInnen nach der geltenden Regelung, die für eine Reform gekämpft haben, die endlich ihrer prekären Situation ein Ende setzt, als auch die zukünftigen PsychotherapeutInnen in Weiterbildung durch dieses Gesetz finanziell leider nicht wesentlich besser gestellt sein, als bisher.

 

Newsletter 3 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

Das Studium der Psychotherapie wird ausschließlich an Universitäten vermittelt werden. Die (Fach-)Hochschulen (für angewandte Wissenschaften), aus deren Absolventen sich bisher der größte Teil der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen rekrutierte, werden für das Studium der Psychotherapie nicht berücksichtigt. Fachlich-inhaltliche Gründe für diesen Ausschluss sind nicht zu sehen, zumal die Hochschulen inzwischen im Bereich der Wissenschaft ebenso qualifiziert aufgestellt sind, wie die Universitäten.

Wichtige Gründe, die Hochschulen ohne Universitätsstatus für das Psychotherapiestudium ebenfalls zu berücksichtigen:

–          An den Hochschulen sind, anders als an den meisten Universitäten, die psychodynamischen und die systemischen Verfahren vertreten. Damit könnte die für die Weiterentwicklung der Psychotherapie so wichtige Verfahrensvielfalt fortbestehen und weiterentwickelt werden

–          Es wäre gesichert, dass auch in Zukunft Psychotherapeut*innen mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in der Versorgung mitwirkten

„Das Studium darf nur an Hochschulen angeboten werden. Hochschulen im Sinne dieses Gesetzes sind Universitäten oder Hochschulen, die Universitäten gleichgestellt sind. Das Studium dauert in Vollzeit fünf Jahre.

Für den gesamten Arbeitsaufwand des Studiums sind nach dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung 300 Leistungspunkte (ECTS Punkte) zu vergeben. Diese ECTS Punkte entsprechen einem Arbeitsaufwand von 9 000 Stunden.“

Im Sinne von Übergangsbestimmungen sieht das Gesetz vor, dass Ausbildungen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes, als vor dem 1.9.2020 angefangen wurden, in der bisherigen Systematik abgeschlossen werden:

„Ist eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin, zum Psychologischen Psychotherapeuten, zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vor dem 1. September 2020 begonnen so wird sie nach dem Psychotherapeutengesetz in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung abgeschlossen.

Nach Abschluss der Ausbildung erhält die antragstellende Person die Approbation nach § 2 Absatz

1 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung, sofern auch die

anderen Voraussetzungen nach § 2 Absatz 1 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung erfüllt sind.“

Entsprechend können Studierende, die ihr Studium bis zum 31.8.2020 begonnen oder abgeschlossen haben, die Ausbildung nach der bisherigen Systematik absolvieren, die sie bis zum 1. September 2032, in besonderen Härtefällen bis 31. August 2035 abschließen können:

Damit bleibt für Studierende, die ihr Studium an einer Hochschule (ohne Universitätsstatus) bis 31. August abgeschlossen oder begonnen haben, der Zugang zur Ausbildung als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in noch erhalten:

„Personen, die vor dem 1. September 2020 ein Studium, das in § 5 Absatz 2 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung genannt ist, begonnen oder abgeschlossen haben, können die Ausbildung zum Beruf der Psychologischen Psychotherapeutin, des Psychologischen Psychotherapeuten,der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung noch bis zum 1. September 2032 absolvieren. Schließen sie diese Ausbildung spätestens zum 1. September 2032 erfolgreich ab, so erhalten sie die Approbation nach § 2 Absatz 1 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung, sofern auch die anderen Voraussetzungen nach § 2 Absatz 1 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung erfüllt sind.“

 

Newsletter 4 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

Die Legaldefinition von „Psychotherapie“ lautet im Psychotherapieausbildungsreformgesetz wie folgt:

„Ausübung der Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren oder Methoden berufs- oder geschäftsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen. Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, gehören nicht zur Ausübung der Psychotherapie“

Interessant erscheint, dass nun auch „Methoden“, offenbar unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu –und ihrer Einbindung in Verfahren, Gegenstand der Psychotherapie sein können.

Das könnte bedeuten, dass nach Studium der Psychotherapie und nach Approbation in der sich anschließenden Weiterbildung der Schwerpunkt kein Verfahren, sondern eine psychotherapeutische Methode sein könnte.

Es wird spannend sein zu verfolgen, wie dieser Passus „…oder Methode…“, der erst in letzter Minute vom Gesundheitsausschuss in den Gesetzentwurf übernommen wurde, interpretiert werden wird.

In den Erläuterungen des Gesundheitsausschusses heißt es dazu:

Zudem wird neben den „Verfahren“ auch der Begriff der „Methoden“ in der Legaldefinition der Ausübung der Psychotherapie berücksichtigt. Hierdurch werden in Zukunft auch Therapieformen von der Legaldefinition erfasst, die keine Psychotherapieverfahren im klassischen Sinne, aber anerkannte Methoden psychotherapeutischer Behandlungen sind. Beispiel dafür ist insbesondere die Klinische Neuropsychologie, die einen wichtigen Beitrag in der Versorgung leistet. Es ist deshalb angezeigt, auch geprüfte und anerkannte psychotherapeutische Methoden in den Regelungsumfang des Gesetzes einzubeziehen.“

Zum Vergleich nachfolgend hier noch einmal die entsprechende Regelung im bisherigen Gesetz:

„Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen. Zur Ausübung von Psychotherapie gehören nicht psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben.“

Psychotherapeut*innen, die nach der bisherigen gesetzlichen Regelung approbiert sind,  die die bisherigen Berufsbezeichnungen „Psychologische Psychotherapeut*in“  bzw. „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in“ tragen, dürfen diese Berufsbezeichnungen  weiterführen.

Man konnte erwarten, dass für die bisherigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen evtl. mit Hilfe von qualifizierenden Kursen im Sinne von Übergangsbestimmungen eine Berechtigung zur Behandlung auch von Erwachsenen geschaffen wird. Der Gesetzgeber sieht wider Erwarten keine entsprechende Regelung für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen vor.

„Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die eine Approbation nach dem Psychotherapeutengesetz in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung besitzen, führen weiterhin ihre jeweilige Berufsbezeichnung und dürfen die Psychotherapie nach § 1 Absatz 2 ausüben. Die Berechtigung zur Ausübung des Berufs der Kinder- und Jugendlichenpsycho­therapeutin und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erstreckt sich auf Patientinnen und Patienten, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.“

Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen haben im Rahmen ihrer jeweiligen Approbation gleiche Rechte und Pflichten wie Psychotherapeut*innen nach neuem Gesetz:

„Personen, …, führen die ihrer jeweiligen Ausbildung entsprechende Berufsbezeichnung nach § 1 Absatz 1 Satz 1 des Psychotherapeutengesetzes in der bis zum 31. August 2020 geltenden Fassung. Sie dürfen die Psychotherapie nach § 1 Absatz 2 ausüben und haben die gleichen Rechte und Pflichten wie eine Person mit einer Approbation nach § 1 Absatz 1.“ (neues Gesetz)

 

 

Newsletter 5 zum Psychotherapieausbildungsreformgesetz

Am 8.11.19 ist das Psychotherapieausbildungsreformgesetz endgültig im Bundesrat verabschiedet worden.

Die Hoffnung, dass es noch Veränderungen, z.B. hinsichtlich der unzureichenden Finanzierung der Weiterbildung geben würde, hat sich nicht erfüllt. Obwohl also nun die ambulante Weiterbildung völlig unzureichend finanziert ist, und man davon ausgehen muss, dass die zukünftigen PsychotherapeutInnen in Weiterbildung – wie bisher – einen großen Teil ihrer Weiterbildungskosten selbst finanzieren müssen, schreibt die Bundespsychotheraputenkammer in ihrer Presseerklärung vom 8.11.19:

Die Weiterbildung erfolgt nicht mehr als Praktikum. „Prekäre Verhältnisse, die unserem Nachwuchs bisher während des Psychiatriejahres zugemutet wurden, wird es in der Weiterbildung nicht mehr geben“ stellt Dr. Munz fest.

(Wir verweisen auf unsere früheren Newsletter (s. www.app-koeln.de/ueber-uns/berufspolitik/newsletter-psychotherapie/)

Der langjährige Prozess ist damit beendet und eine neue Ära der Psychotherapie-Ausbildung beginnt.

Die neue Psychotherapie-Ausbildung in Form des Studiums beginnt ab Herbst 2020, während die alte Ausbildung im Rahmen der Übergangsregelung noch bis 2032 läuft.

Das heißt, in den Kliniken wird sich ab Herbst 2020 folgendes Nebeneinander entwickeln:

–   PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) nach dem bisherigen Gesetz, die ihre Praktische Tätigkeit für 1000 €/Monat absolvieren,

–   unbezahlte PraktikantInnen aus dem neuen Psychotherapie-Studium
(während des Studiums insgesamt etwa 700 Std. berufspraktische Einsätze in Kliniken),

–   approbierte PsychotherapeutInnen in Weiterbildung (PiW) (neues Gesetz), die nach Tarif bezahlt werden,

–   und approbierte PP/KJP, die nach dem alten Gesetz eine umfassende Ausbildung abgeschlossen haben.

 

Wir sind gespannt, wie differenziert die Kliniken mit diesen unterschiedlichen Qualifikationsprofilen umgehen werden, und wie es sich auf die Anzahl der Stellen in diesen vier Bereichen auswirken wird, wenn bestimmte Stelle besser bezahlt werden müssen. Die Kliniken sind seit Jahren hoffnungslos unterfinanziert, da die Länder ihre Investitionsverpflichtungen nicht erfüllen; deshalb sparen sie u.a. am Personal. Übrigens zur gleichen Zeit wie über die Ausbildungsreform wurde auch über die Personalausstattung der Kliniken entschieden: es wird keine Erhöhung der Mittel für Personal geben.

Auch das Nebeneinander der Berufsabschlüsse wird vielfältiger werden:

–   Psychologische Psychotherapeuten nach altem Recht

–   Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nach altem Recht – dürfen keine Erwachsene behandeln (leider hat der Gesetzgeber die Möglichkeit, dass KJP sich entsprechend nachqualifizieren können, verweigert)

–   Approbierte Psychotherapeuten nach neuem Recht mit Weiterbildung, z.B. für Erwachsenentherapie oder Kinder- und Jugendlichentherapie (in KJP weitergebildeten Psychotherapeuten dürfen auch Erwachsene behandeln)

–   Approbierte Psychotherapeuten nach neuem Recht ohne Weiterbildung – angesichts des Flaschenhalses Klinikstellen erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass es davon eine größere Anzahl geben wird – die zwar keine Kassenzulassung bekommen, aber trotzdem psychotherapeutisch arbeiten dürfen (Approbation = staatliche Zulassung, den entsprechenden Beruf selbstständig und eigenverantwortlich auszuüben)

Patienten (und viele ärztliche Kollegen) können schon jetzt nicht unterscheiden: Psychologe, Psychotherapeut, Physiotherapeut, Psychosomatiker, Psychiater, Neurologe, … was sind deren Kompetenzen und Aufgaben – nun kommen also weitere Differenzierungen hinzu.