Kompromisse als Weg aus der Sackgasse

23.09.2026

Eine Realisierungsmöglichkeit für die reformierte Weiterbildung zu finden, sieht Kammermitglied Anja Simon als eine zentrale Aufgabe der kommenden Monate.

Eine Reform der Ausbildung im Bereich der Psychologischen Psychotherapie war nötig, darüber besteht weitgehend Einigkeit. Das Ziel ist klar definiert: Anders als in der bisherigen Ausbildung sollte es neben geregelten Zugangsvoraussetzungen vor allem eine faire Vergütung der Teilnehmenden für ihre praktische Tätigkeit geben – bei gleichbleibend hohem Umfang und Qualität der Bildungsinhalte. Genau an diesem Punkt klaffen Anspruch und Umsetzung auseinander, denn es fehlt eine tragfähige Finanzierung.

„Bei der Ausgestaltung der Weiterbildungsordnung sind die Kammerverantwortlichen davon ausgegangen, auf politischer Ebene entsprechende Mittel für die Umsetzung erwirken zu können. Doch die jüngsten Beschlüsse zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und die drohenden Honorarkürzungen haben die Situation stattdessen weiter verschärft“, fasst Anja Simon das Dilemma zusammen. Als Mitglied der Psychotherapeutenkammer NRW und in ihrer Leitungsfunktion bei der APP KÖLN hat sie den Reformprozess aufmerksam verfolgt. „Ob es sinnvoll ist, gesetzliche Regelungen ohne gesicherte Finanzierung zu verabschieden, war in den Sitzungen durchaus ein Kritikpunkt.“

Die Konsequenzen zeichnen sich bereits ab: Die Leistungsanbieter wie Institute und Lehrpraxen haben den Auftrag zur Umsetzung, sind wirtschaftlich jedoch mehrheitlich nicht in der Lage, Weiterbildungsplätze in gewünschtem Umfang anzubieten. Aufgrund der angestrebten Tarifentlohnung sowie Umfang und Qualität von Lehre, Supervision und Selbsterfahrung entstehen für sie pro Teilnehmendem und Monat ungedeckte Kosten in Höhe von rund 3500 Euro. „Die formalen Vorbereitungen laufen, die Akkreditierungen werden beantragt und auch die APP KÖLN plant den Einstieg in kleinem Umfang. Doch ohne verlässliche Finanzierungsstruktur werden sich die Volumina zur Sicherung der Zukunft unseres Berufsstandes kaum erreichen lassen“, sagt Anja Simon.

Nach ihrer Einschätzung ist eine Unterstützung von Seiten der Politik oder der Krankenversicherungen nicht absehbar. „Wir sind als Berufsgruppe innerhalb des Gesundheitssystems klein und haben entsprechend begrenzte Möglichkeiten, um den nötigen Druck aufzubauen – auch wenn die Proteste und Demonstrationen der vergangenen Zeit die öffentliche Wahrnehmung erhöht haben. Als Berufsvertretung in der Kammer müssen wir nun mit realistischem Blick schauen, welche Lösungen oder Zwischenlösungen wir finden können.“ Rein wirtschaftlich ist offenkundig, dass die bisherige Struktur und Qualität des Bildungsweges ohne gesicherte Finanzierung nicht haltbar sind. Ohne zusätzliche Mittel könnten beispielsweise eine vertretbare Absenkung der Qualitätsstandards, Eigenbeiträge der Teilnehmenden oder die Wahrnehmung von Bildungsanteilen jenseits der Arbeitszeit nötig sein, um die geforderten Bestandteile der Weiterbildung umsetzen zu können.